Tierdrama im Westerwald – Hunde die keiner will

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Es war am Dienstag vor zwei Wochen, als ich bei meinem (Ex-)Freund im Westerwald zu Besuch war. Vier Hunde liefen über die Wiese und kamen angerannt, als sie Emile und Bijou erblickten. Ein Cocker Spaniel, eine weiterer kleinerer Hund und zwei größere liefen auf das Grundstück und machten sich gleich über die Näpfchen von Emile und Bijou her. Sie waren sehr freundlich und neugierig, aber stanken entsetzlich. Auch eine Nachbarin hatte die Tiere entdeckt und kam herbei, um zu erfahren, wem sie gehörten. Es liefen noch weitere Hunde herum, meinte sie.

Und tatsächlich: ein Golden Retriever und ein weiterer Hund liefen Richtung viel befahrener Bundesstraße. Wir riefen die Polizei. Die wiederum zeigte sich zwar wenig interessiert, verständigte aber immerhin das Ordnungsamt, während wir versuchten, die Hunde bei uns zu halten, damit sie nicht auf die Straßen liefen. Nach einem erneuten Telefonat teilte das Ordnungsamt mit, dass sie vermuteten, woher die Hunde stammten. Sie würden die Besitzerin verständigen, wir sollten warten. Zwischenzeitlich hatte mein Ex in Erfahrung gebracht, wo die Hunde hingehörten. Direkt neben der Kirche sei ein Anwesen, in dem unzählige Hunde lebten.

Wir leinten die drei bei uns verbliebenen Ausbrecher an und gingen in Richtung des Hauses. Dort bot sich uns ein trauriges Bild. Hinter einem Zaun mit Sichtschutz bellten unzählige Hunde. Auch in einem Schuppen neben einem herunter gekommenen Haus waren Hunde. Wir blickten durch Löcher im Zaun und sahen, dass manche Tiere krank waren. Überall lagen Schlachtabfälle wie Rinderbeine und Hufe herum. Wir warteten knapp eine Stunde auf die Besitzerin, während wir die weiteren Hunde, die schon entlang der Bundesstraße gelaufen waren, bei uns behielten.

Schließlich kam eine junge Frau in einem alten Auto, in dem vier weitere Hunde bellten. Sie käme aus dem Tierheim in Troisdorf, wo sie als Trainerin arbeite, sagte sie, nahm die Hunde und brachte sie wieder in das umzäunte Gelände. Wir hakten nach, was das denn für Hunde seien und warum so viele und warum manche krank seien. Der Golden Retriever beispielsweise hinkte und hatte eine offene Wunde an der Pfote. Das sei Krebs und nicht zu behandeln. Die Tiere seien alle unter tierärztlicher Kontrolle. Schließlich erzählte sie, dass sie mit anderen zusammen einen Verein gegründet hatte, der sich um problematische Hunde kümmern sollte (ProtecTier.e.V.). Das seien Tiere, die durch Beiß- oder sonstige Vorfälle auffällig geworden seien und die ihre Besitzer abgegeben hätten. Als Tiertrainerin habe sie die Tiere resozialisieren solle, der Verein habe sich aber wegen finanziellen Unregelmäßigkeiten im vergangenen Jahr aufgelöst und zurück blieben 21 Hunde. Der Kreisveterinär sei eingeschaltet und habe sogar vorgeschlagen, manche der Tiere zu töten.

Wie einiges, was die junge Frau erzählte, erwies sich dies jedoch als falsch. Auch im Tierheim in Troisdorf war sie unbekannt. Der Kreisveterinär wusste zwar Bescheid, war aber nicht über das Ausmaß des Ganzen informiert. Nach meiner Kontaktaufnahme schickte er noch am selben Tag einen Mitarbeiter dahin, der anordnete, dass drei der Tiere sofort einem Tierarzt vorgestellt würden, was wohl auch geschehen ist. Der Kreisveterinär sagte zu, dass er das Ganze weiter im Blick haben wollte, konnte aber nicht weiter eingreifen, weil keine tierschutzrechtlichen Belange betroffen waren. Kleine Tierheime, die aber in vorliegenden Fall nicht weiterhelfen könnten, gebe es in Hachenburg, in Hamm/Sieg, in Montabaur und in Ransbach-Baumbach, größere erst in Koblenz, Andernach und Limburg.

„Die Unterbringung der Hunde im Tierheim, sofern man dort überhaupt Plätze bekommt, würde aber bedeuten, dass die Hunde sich erst einmal dort eingewöhnen müssten, was in Anbetracht der labilen Psyche einiger Hunde bereits ein Problem darstellen könnte“, sagte er. Hinzu komme die Schwierigkeit, die Tiere in geeignete Hände zu vermitteln, sodass einige sich absehbar zu Dauergästen entwickelten und dort Kapazitäten blockierten. Darum sollten die Tiere besser unmittelbar durch die Frau vermittelt werden, meinte er und sagte zu, die weitere Aufnahme von Hunden durch die Frau strikt unterbinden zu wollen. Aufgrund der Vielzahl der Tiere, die das Kreisveterinäramt selbst beschlagnahme und unterbringen müsse, gebe es derzeit keine Möglichkeit der anderweitigen Unterbringung.

Obwohl die Frau laut eigener Aussage die Tiere gerne abgeben würde und sich kooperativ zeigte, findet sich aber keiner, der sie nimmt. Sie selbst kann die Haltung langfristig vermutlich weder finanziell, noch praktisch weiter alleine stemmen. Meine Versuche zu helfen, in dem ich das öffentlich mache, scheiterten am Desinteresse der Medien. Gar nicht gemeldet hat sich die für den Westerwaldkreis zuständige Rheinzeitung, der WDR hat abgelehnt, der SWR hat sich nicht gemeldet und die Bild-Zeitung hat sich nach anfänglichem Interesse auch nicht mehr gemeldet. Für Spiegel-online sei es zu regional und Stern-TV interessierte sich nicht dafür. Lediglich das Dogs-Magazin nannte ein paar Namen, an die man sich wenden könnte, wollte die Geschichte aber nicht bringen, weil die Redaktion bis weit in das nächste Jahr schon die Themen geplant habe.

Das Traurige an der Geschichte ist, dass immer mehr Tiere aus dem Ausland nach Deutschland geholt werden, aber solche Tiere hier im Land keine Chance erhalten – sie fallen einfach durch das Raster. Leider weiß auch ich nicht, wie ich da weiter helfen kann und hoffe jetzt auf den Deutschen Tierschutzbund und Tierfreunde, die da helfen können.

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Intuitiv – Emile und Bijou, die Scheidungskinder

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Intuition unterscheidet sich im Allgemeinen durch den Zeitfaktor von der Wahrnehmung durch die fünf herkömmlichen Sinne. Während es jeweils einige Sekundenbruchteile braucht, bis man einen äußeren Sinnesreiz mit dem Gehirn verarbeitet, entsteht die Intuition sofort und ohne Verzögerung. Dadurch ermöglicht der sechste Sinn schnelles Handeln und schützt somit vor mancher Gefahr.

Für Tiere soll der sechste Sinn sogar wie für uns der Seh-, Tast-, Geschmacks-, Hör- oder Geruchssinn sein. Dass sie Erdbeben und Naturkatastrophen vorausahnen können, ist kein Geheimnis. Auch viele Hundebesitzer berichten von der Intuition ihrer Tiere. Experimente haben das bestätigt. Gerade Hunde erspüren, wenn etwas für sie Wichtiges passiert. Bei einer engen Bindung spüren sie immer, wenn mit Frauchen oder Herrchen etwas nicht stimmt, sie traurig oder krank sind.

In einem Experiment wurde ein Hund bei einer Freundin gelassen, während seine Besitzerin mit einer Stoppuhr wegging. Der Hund lag ganz ruhig, solange sich sein Frauchen vom Haus weg bewegte. Sobald es aber den Rückweg einschlug, wurde er unruhig und ging Richtung Haustür. Das wurde mehrmals in Varianten wiederholt und jedes Mal spürte der Hund, wann sein Frauchen sich wieder dem Haus näherte – meistens waren das so zehn bis 15 Minuten vor der Rückkehr.

Auch Emile und Bijou bewiesen kürzlich in ihre Intuition, denn ein einschneidendes Erlebnis stand bevor. Mein Lebensgefährte und ich wollten uns trennen. Wir kamen aus dem Urlaub und ich lud meine Sachen ins Auto, um nach Hause zu fahren. Dabei geschah etwas Seltsames. Emile, der sonst immer sofort ins Auto springt, blieb draußen stehen, auch als Bijou nach Aufforderung ins Auto sprang. Das hatte es in der ganzen Zeit noch nicht gegeben. Der Grund: Wir hatten uns zuvor darüber geeinigt, dass Bijou bei mir bleiben sollte und Emile, der ja sein Hund ist, bei ihm. Mit traurigen Augen schaute Emile uns hinterher und verbrachte eine Nacht und einen Tag als Häufchen Elend.

Darum haben wir zwischenzeitlich die Entscheidung wieder revidiert. Emile kann einfach nicht ohne Bijou und wir haben eine Regelung getroffen, wie bei einem klassischen Scheidungskind. Die Hunde bleiben bei mir und mein Ex-Lebensgefährte holt sie ab und zu mal übers Wochenende ab. Ich bin mehr Zuhause, weil ich überwiegend von dort arbeite und außerdem sind sie bei mir in ihrer vertrauten Umgebung. Und wenn ich mal länger weg muss, kommen sie zu ihm.

Trotzdem merkt man insbesondere Emile die Trauer an. Er ist sehr anhänglich. Die beiden gewöhnen sich aber Tag für Tag mehr an die Situation. Ich denke, sie spüren intuitiv, dass sie uns trotzdem mit uns beiden zusammen sein können.

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Intelligenz-Bestien oder Emile und sein Ohr

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Sie können sich bis zu 165 Worte merken, bis fünf zählen und Fehler in leichten Berechnungen erkennen – Hunde sind intelligenter, als viele meinen. Ihre Fähigkeiten werden mit zwei- bis zweieinhalbjährigen Kindern verglichen. Der amerikanische Psychologe und Hundeexperte Stanley Coren hat über 200 Punktrichter befragt und verschiedene Tests mit unterschiedlichen Rassen durchgeführt. Das brachte ihn zu der Aussage, dass bestimmte Rassen intelligenter sind als andere. Er stellte ein Ranking auf.

Demnach sind Border-Collies die intelligentesten Hunde. Den Beweis dafür trat die Border-Collie-Dame Chaser in Wetten-Dass an. Sie zeigte, dass sie über 1000 Spielsachen auseinanderhalten kann. Das solche Superhunde nicht nur verschiedene Begriffe und Kommandos kennen, liege am Training, sagen die Wissenschaftler. Das heißt, Hunde müssen gefordert werden, um zu lernen und eine gewisse Intelligenz zu entwickeln. Nach den Border Collies, folgen Pudel und Deutscher Schäferhund im Hinblick auf die geistigen Fähigkeiten. Platz vier belegen der Golden Retriever, fünf der Doberman, sechs der Shetland Sheepdog, sieben der Labrador Retriever, acht der Papillon, neun der Rottweiler, zehn der Australian Cattle Dog. Der dümmste Hund soll laut Coren der Afghanische Windhund sein, ihm folgt auf Platz zwei der Basenji, die Englische Bulldogge, der Chow-Chow und der Borsoi.

Der Frage, wie gelehrig Mischlinge sind, ist er leider nicht nachgegangen. Aber im Allgemeinen werden auch ihnen besondere intellektuelle Fähigkeiten nachgesagt. Bijou jedenfalls ist ein guter Problemlöser. Kürzlich wollte sie Emile ein Schweineohr abjagen. Dazu versuchte sie verschiedene Strategien. Sie sprang auf ihn, lief um ihn herum, versuchte es von rechts und von links – leider jedoch ohne Erfolg. Emile ließ sich nicht beeindrucken davon und knabberte genüsslich weiter an seinem Ohr. Schließlich versuchte sie ihn abzulenken, indem sie ganz intensiv neben ihm schnupperte, aber das alles half nicht – hatte Emile doch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er, sobald er nicht aufpasst, sein Leckerchen los ist. Und wehe, er versucht es wieder zu bekommen, dann ist richtig Stress angesagt, Bijou wird giftig und keift ihn an. Schließlich ist sie der der kleine Chef.

Nach einer ungarischen Studie reagieren Hunde wie Kleinkinder auf Signale wie Augenkontakt oder direktes Ansprechen. Sie eignen sich Wissen an, indem sie andere nachahmen, wobei sie nur das nachahmen, was für sie Sinn macht. In einem Experiment sollten die Hunde eine Futterbox öffnen, indem sie einen Holzstab bewegten. Das taten sie mit ihrem Maul, nur eine Hündin wurde darauf trainiert, das mit der Pfote zu tun. Solange sie dabei nichts im Maul hatte, schienen die anderen Hunde sich für dieses Verhalten zu interessieren und imitierten es. Hatte die Hündin ein Spielzeug im Maul und öffnete die Box mit der Pfote, ahmten die anderen Tiere das nicht nach.
Um ihren Gerechtigkeitssinn zu untersuchen, testeten die Wissenschaftler der Universität Wien, wie sich Hunde bei ungerechter Behandlung verhalten. Dazu ließen sie zwei, die sich gegenseitig sahen, die Pfote geben. Solange beide Tiere nach erfüllter Aufgabe belohnt wurden oder beide keine Belohnung bekamen, verhielten sie sich kooperativ. Wurde hingegen nur einer der Hunde belohnt, streikte der andere. Dabei spielte jedoch auch die Beziehung zwischen den Hunden eine Rolle. Anders als Affen, waren die Hunde besonders unkooperativ, wenn sie den Partner, der eine Belohnung bekam, gut kannten.

Max-Planck-Forscher untersuchten zudem, ob auch Menschenaffen und Hunde fähig sind, Dinge, die sie nicht sehen, weiter wahrzunehmen. Dazu platzierten sie Futter für Hunde und Affen sichtbar unter einem von zwei Behältern. Danach wurden die Behälter verschoben. Während die Menschenaffen zu wissen schienen, unter welchem Gefäß sich die Belohnung befand, schnitten die Hunde in diesem Experiment schlecht ab.

Wölfe stellten sich in diversen Studien geschickter an, etwa wenn es ums Futter ging, doch im Gegensatz dazu verstehen Hunde den Zeigegestus des Menschen. Dazu sind nicht einmal Schimpansen in der Lage, denn Tiere kommunizieren gewöhnlich mit den Augen. Auch haben die Forscher einen Unterschied zwischen der Wahrnehmung von Weibchen und Rüden festgestellt. In einem Experiment beobachteten Hunde einen Ball, der hinter einen Sichtschutz rollte. Wenn der Ball zum Vorschein kam, war er in jedem zweiten Mal größer als der vorige. Während Rüden sich davon nicht beeindrucken ließen und dem Ball immer gleich lange hinterher schauten, beobachteten Hündinnen den in der Größe veränderten deutlich länger. Offensichtlich waren sie davon stärker irritiert als ihre männlichen Artgenossen.

Laut dem US-Schriftsteller James Thurber haben aber Menschen mehr zu lernen im Zusammenspiel mit Hunden: „Es ist dem Hund nur selten gelungen, den Menschen auf seine Ebene der Klugheit emporzuziehen, aber der Mensch hat den Hund oft zu seiner heruntergezogen.“

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