Eine Frage der Bindung

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Alles eine Frage der Bindung

Viele Probleme zwischen Hund und Mensch beruhen auf einer mangelnden Bindung. Herrchen und Frauchen verlieren an Einfluss, sobald etwas Interessanteres geschieht und ihr Rufen verhallt scheinbar ungehört. Was in solchen Situationen falsch ist, ist Druck, Strafandrohung und Kasernenton. Zwar hält das den Hund, aber stresst beide Seiten und hat mit einem Vertrauensverhältnis wenig zu tun. Stattdessen sollte man mit positiver Verknüpfung arbeiten und eine Bindung aufbauen.

Was Hunde motiviert, haben Forscher herausgefunden: Körpersprache und Töne. Insbesondere hohe, freudige Töne empfinden Hunde wie Menschen gleichermaßen als motivierend. Wer mit seinem Hund in einer Tonlage wie mit einem Baby spricht, hat die besten Chancen, auch „gehört“ zu werden. Wegen ihrer hohen Stimme haben Frauen damit generell einen Vorteil. Körpersprachlich wirkt alles, was klein macht, also etwa herunterhocken. Indem man positiv agiert, lernt das Tier, dass ihm nur Gutes im Umfeld seines Menschen geschieht.

Grundsätzlich erwarten Menschen zuviel von Hunden. Auch wenn sie die Intelligenz etwa von zweijährigen Menschen haben, wie Forscher kürzlich noch einmal bestätigt haben, haben sie doch Verhaltensweisen, die für Menschen nicht immer verständlich sind. Für den Hund ist es allerdings genauso schwierig, das Verhalten des Menschen zu verstehen. Hunde untereinander halten ständig Blick- und Körperkontakt – dies festigt die Bindung untereinander. Darum sollte man darauf achten, wenn der Hund Blickkontakt zum Menschen sucht. Das ist für seine Bindung essenziell notwendig. Das Gleiche gilt für Berührungen im Vorbeigehen, weil das auch Hunde untereinander tun, um die Zusammengehörigkeit zu stärken.

Vielfach wird behauptet, dass der Hund nur 0,5 bis eine Sekunde Ursache und Wirkung verknüpfen kann. Was Emile und Bijou betrifft, habe ich allerdings eine andere Erfahrung gemacht, da sie durchaus wissen, wann ihr Verhalten eine negative Reaktion hervorruft. Hilfreich dabei ist es, auf die Signale des Hundes zu achten. Für jedes Bindungssignale wie Blick- oder Körperkontakt sollte er mit gleichem belohnt werden.

Läuft der Hund voraus und dreht sich um, sollte man ihn loben oder ein Leckerli hinhalten, wenn er kommt. Der Hund wird sich immer öfter umdrehen. Zu oft gemacht, wird das jedoch wieder uninteressant. Hier arbeiten Hundetrainer mit einer so genannten variablen Verstärkung des Verhaltens. Das heißt, die Leckerlis werden nach einer Zeit wieder reduziert. Denn die Lerneffekte sind umso größer, umso wechselnder man die Belohnung vergibt. Außerdem kann man auch in Form von Streicheln oder Spielen belohnen.

Um die Aufmerksamkeit des Tieres zu erhalten, hilft es manchmal auch, einfach die Richtung zu wechseln. Wenn er dann kommt, sollte er gelobt werden. Nicht gut, aber von vielen gerne praktiziert ist in diesem Zusammenhang das Verstecken. Denn das schafft wiederum Misstrauen und fördert Kontroll- statt Kontaktblicke.
Bei Hunden mit Jagdtrieb sollte man auf erste Signale achten. Wenn er losläuft, hat man seinen Einsatz verpasst. Die Endorphinproduktion hat dann schon begonnen und der Hund wird von seinem Gehirn für dieses Verhalten belohnt. Um ihn abzulenken, kann man ihn rufen und Leckerlis verstecken, wenn er an die Grenze der kritischen Entfernungszone gelangt. Beim Suchen der Leckerlis ist der Hund auf die Nähe und Zusammenarbeit mit seinem Herrchen angewiesen, was wiederum die Bindung stärkt.

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