Der Welpendeal

SpziergangHOchwasserübung55Emile benimmt sich manchmal wie ein Welpe. So liegt er etwa im Körbchen und kaut auf einer Vorderpfote herum, so als würde er Nägelkauen oder Daumenlutschen. Dabei ist er schon drei Jahre alt, zehn Wochen war er, als er zu uns kam und zuckersüß. Wir haben ihn von einem Pferdehof am Niederrhein. Sein Vater lebt bei einer Trainerin auf der Pferderennbahn in Weidenpesch und die erzählte, dass ihr Hund bei Bekannten eine Whippethündin auf dem Reiterhof gedeckt hat. Dort leben neben den Pferden und der Whippethündin noch zwei Weimaraner. Papiere hat Emile zwar keine, aber es handelt sich nachweislich um eine Hobbyzucht und nicht um Geldmacherei, wie es bei den „Wühltischwelpen“ der Fall ist.

Die Anschaffung eines Welpen beginnt heute für viele Menschen mit Online-Anzeige. Diverse Internetportale, aber auch Tageszeitungen wimmeln von diesen Inseraten. Aber wer da zugreift macht sich unter Umständen schuldig am Tierleid. Die „Billig, will ich“-Mentalität ist hier, wie bei vielen anderen Dingen, absolut fehl am Platz. Wer bei Tieren nur auf den Preis schaut, sollte sich lieber ein Stofftier anschaffen. Ganz oft sind es nämlich Hundehändler, die mit dem Tierleid versuchen, Reibach zu machen.

Viele der unter den schlimmmen Umständen geborenen und transportierten Welpen sind todkrank, psychisch gestört und sozialunverträglich. Sie wurden viel zu früh von der Mutter, die als lebende Gebärmaschine dient, entfernt. Viele stammen aus Ost- und Südosteuropa und gelangen – manchmal auch über die seit 2012 zwar offiziell verbotenen, aber immer noch existierenden – Tiermärkte in Belgien und den Niederlanden nach Deutschland. Die angeblich geimpften Hunde haben in Wirklichkeit noch nie einen Tierarzt gesehen, Papiere und Impfausweis sind, falls überhaupt vorhanden, gefälscht.

Erst im Juli 2013 entdeckten fränkische Polizeibeamte bei einer Routinekontrolle auf der A70 bei Schweinfurt 78 Hundewelpen. Die Reise der etwa vier bis acht Wochen alten Welpen unterschiedlichster Rassen, die sich in Gitterboxen und einem Karton drängelten, sollte nach Belgien gehen. Der 55-jährige Fahrer des Wagens hatte keine Genehmigung zum Tiertransport, von der Einhaltung geltender Tierschutzbestimmungen und den hygienischen Zuständen in seinem Kofferraum ganz zu schweigen. Er wurde vorläufig festgenommen, die Welpen kamen ins Tierheim.

Mehr zum Thema und wie man seriöse von unseriösen Hobbyzüchtern unterscheidet und warum Rassehunde mit Papieren vom Züchter so teuer sind, steht in „Fred & Otto unterwegs in Köln“ – ab morgen im Buchhandel.

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