Intuitiv – Emile und Bijou, die Scheidungskinder

Naturpur 046

Intuition unterscheidet sich im Allgemeinen durch den Zeitfaktor von der Wahrnehmung durch die fünf herkömmlichen Sinne. Während es jeweils einige Sekundenbruchteile braucht, bis man einen äußeren Sinnesreiz mit dem Gehirn verarbeitet, entsteht die Intuition sofort und ohne Verzögerung. Dadurch ermöglicht der sechste Sinn schnelles Handeln und schützt somit vor mancher Gefahr.

Für Tiere soll der sechste Sinn sogar wie für uns der Seh-, Tast-, Geschmacks-, Hör- oder Geruchssinn sein. Dass sie Erdbeben und Naturkatastrophen vorausahnen können, ist kein Geheimnis. Auch viele Hundebesitzer berichten von der Intuition ihrer Tiere. Experimente haben das bestätigt. Gerade Hunde erspüren, wenn etwas für sie Wichtiges passiert. Bei einer engen Bindung spüren sie immer, wenn mit Frauchen oder Herrchen etwas nicht stimmt, sie traurig oder krank sind.

In einem Experiment wurde ein Hund bei einer Freundin gelassen, während seine Besitzerin mit einer Stoppuhr wegging. Der Hund lag ganz ruhig, solange sich sein Frauchen vom Haus weg bewegte. Sobald es aber den Rückweg einschlug, wurde er unruhig und ging Richtung Haustür. Das wurde mehrmals in Varianten wiederholt und jedes Mal spürte der Hund, wann sein Frauchen sich wieder dem Haus näherte – meistens waren das so zehn bis 15 Minuten vor der Rückkehr.

Auch Emile und Bijou bewiesen kürzlich in ihre Intuition, denn ein einschneidendes Erlebnis stand bevor. Mein Lebensgefährte und ich wollten uns trennen. Wir kamen aus dem Urlaub und ich lud meine Sachen ins Auto, um nach Hause zu fahren. Dabei geschah etwas Seltsames. Emile, der sonst immer sofort ins Auto springt, blieb draußen stehen, auch als Bijou nach Aufforderung ins Auto sprang. Das hatte es in der ganzen Zeit noch nicht gegeben. Der Grund: Wir hatten uns zuvor darüber geeinigt, dass Bijou bei mir bleiben sollte und Emile, der ja sein Hund ist, bei ihm. Mit traurigen Augen schaute Emile uns hinterher und verbrachte eine Nacht und einen Tag als Häufchen Elend.

Darum haben wir zwischenzeitlich die Entscheidung wieder revidiert. Emile kann einfach nicht ohne Bijou und wir haben eine Regelung getroffen, wie bei einem klassischen Scheidungskind. Die Hunde bleiben bei mir und mein Ex-Lebensgefährte holt sie ab und zu mal übers Wochenende ab. Ich bin mehr Zuhause, weil ich überwiegend von dort arbeite und außerdem sind sie bei mir in ihrer vertrauten Umgebung. Und wenn ich mal länger weg muss, kommen sie zu ihm.

Trotzdem merkt man insbesondere Emile die Trauer an. Er ist sehr anhänglich. Die beiden gewöhnen sich aber Tag für Tag mehr an die Situation. Ich denke, sie spüren intuitiv, dass sie uns trotzdem mit uns beiden zusammen sein können.

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