Intelligenz-Bestien oder Emile und sein Ohr

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Sie können sich bis zu 165 Worte merken, bis fünf zählen und Fehler in leichten Berechnungen erkennen – Hunde sind intelligenter, als viele meinen. Ihre Fähigkeiten werden mit zwei- bis zweieinhalbjährigen Kindern verglichen. Der amerikanische Psychologe und Hundeexperte Stanley Coren hat über 200 Punktrichter befragt und verschiedene Tests mit unterschiedlichen Rassen durchgeführt. Das brachte ihn zu der Aussage, dass bestimmte Rassen intelligenter sind als andere. Er stellte ein Ranking auf.

Demnach sind Border-Collies die intelligentesten Hunde. Den Beweis dafür trat die Border-Collie-Dame Chaser in Wetten-Dass an. Sie zeigte, dass sie über 1000 Spielsachen auseinanderhalten kann. Das solche Superhunde nicht nur verschiedene Begriffe und Kommandos kennen, liege am Training, sagen die Wissenschaftler. Das heißt, Hunde müssen gefordert werden, um zu lernen und eine gewisse Intelligenz zu entwickeln. Nach den Border Collies, folgen Pudel und Deutscher Schäferhund im Hinblick auf die geistigen Fähigkeiten. Platz vier belegen der Golden Retriever, fünf der Doberman, sechs der Shetland Sheepdog, sieben der Labrador Retriever, acht der Papillon, neun der Rottweiler, zehn der Australian Cattle Dog. Der dümmste Hund soll laut Coren der Afghanische Windhund sein, ihm folgt auf Platz zwei der Basenji, die Englische Bulldogge, der Chow-Chow und der Borsoi.

Der Frage, wie gelehrig Mischlinge sind, ist er leider nicht nachgegangen. Aber im Allgemeinen werden auch ihnen besondere intellektuelle Fähigkeiten nachgesagt. Bijou jedenfalls ist ein guter Problemlöser. Kürzlich wollte sie Emile ein Schweineohr abjagen. Dazu versuchte sie verschiedene Strategien. Sie sprang auf ihn, lief um ihn herum, versuchte es von rechts und von links – leider jedoch ohne Erfolg. Emile ließ sich nicht beeindrucken davon und knabberte genüsslich weiter an seinem Ohr. Schließlich versuchte sie ihn abzulenken, indem sie ganz intensiv neben ihm schnupperte, aber das alles half nicht – hatte Emile doch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er, sobald er nicht aufpasst, sein Leckerchen los ist. Und wehe, er versucht es wieder zu bekommen, dann ist richtig Stress angesagt, Bijou wird giftig und keift ihn an. Schließlich ist sie der der kleine Chef.

Nach einer ungarischen Studie reagieren Hunde wie Kleinkinder auf Signale wie Augenkontakt oder direktes Ansprechen. Sie eignen sich Wissen an, indem sie andere nachahmen, wobei sie nur das nachahmen, was für sie Sinn macht. In einem Experiment sollten die Hunde eine Futterbox öffnen, indem sie einen Holzstab bewegten. Das taten sie mit ihrem Maul, nur eine Hündin wurde darauf trainiert, das mit der Pfote zu tun. Solange sie dabei nichts im Maul hatte, schienen die anderen Hunde sich für dieses Verhalten zu interessieren und imitierten es. Hatte die Hündin ein Spielzeug im Maul und öffnete die Box mit der Pfote, ahmten die anderen Tiere das nicht nach.
Um ihren Gerechtigkeitssinn zu untersuchen, testeten die Wissenschaftler der Universität Wien, wie sich Hunde bei ungerechter Behandlung verhalten. Dazu ließen sie zwei, die sich gegenseitig sahen, die Pfote geben. Solange beide Tiere nach erfüllter Aufgabe belohnt wurden oder beide keine Belohnung bekamen, verhielten sie sich kooperativ. Wurde hingegen nur einer der Hunde belohnt, streikte der andere. Dabei spielte jedoch auch die Beziehung zwischen den Hunden eine Rolle. Anders als Affen, waren die Hunde besonders unkooperativ, wenn sie den Partner, der eine Belohnung bekam, gut kannten.

Max-Planck-Forscher untersuchten zudem, ob auch Menschenaffen und Hunde fähig sind, Dinge, die sie nicht sehen, weiter wahrzunehmen. Dazu platzierten sie Futter für Hunde und Affen sichtbar unter einem von zwei Behältern. Danach wurden die Behälter verschoben. Während die Menschenaffen zu wissen schienen, unter welchem Gefäß sich die Belohnung befand, schnitten die Hunde in diesem Experiment schlecht ab.

Wölfe stellten sich in diversen Studien geschickter an, etwa wenn es ums Futter ging, doch im Gegensatz dazu verstehen Hunde den Zeigegestus des Menschen. Dazu sind nicht einmal Schimpansen in der Lage, denn Tiere kommunizieren gewöhnlich mit den Augen. Auch haben die Forscher einen Unterschied zwischen der Wahrnehmung von Weibchen und Rüden festgestellt. In einem Experiment beobachteten Hunde einen Ball, der hinter einen Sichtschutz rollte. Wenn der Ball zum Vorschein kam, war er in jedem zweiten Mal größer als der vorige. Während Rüden sich davon nicht beeindrucken ließen und dem Ball immer gleich lange hinterher schauten, beobachteten Hündinnen den in der Größe veränderten deutlich länger. Offensichtlich waren sie davon stärker irritiert als ihre männlichen Artgenossen.

Laut dem US-Schriftsteller James Thurber haben aber Menschen mehr zu lernen im Zusammenspiel mit Hunden: „Es ist dem Hund nur selten gelungen, den Menschen auf seine Ebene der Klugheit emporzuziehen, aber der Mensch hat den Hund oft zu seiner heruntergezogen.“

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Tierisch eifersüchtig

Rheinufer (7)

Das, was die meisten Hundehalter ohnehin wissen, ist jetzt auch wissenschaftlich belegt: Hunde sind eifersüchtig. Studien zeigten, dass auch Hunde reagieren, wenn ihre Besitzer anderen mehr Aufmerksamkeit schenken. Im Fachjournal „PLOS ONE“ präsentierten die beiden Forscherinnen Christine Harris und Caroline Prouvost von der Universität San Diego in Kalifornien die Studie mit 36 Hunden und 31 Herrchen und Frauchen, die sie gefilmt hatten.

Die Bezugspersonen wurden gebeten, den eigenen Vierbeiner zu ignorieren und sich stattdessen intensiv einem ausgestopften Hund zu widmen, der auf Knopfdruck bellte, jaulte und mit dem Schwanz wedelte, sowie einen Kürbiskopf zu streicheln und aus einem Pop-Up-Kinderbuch vorzulesen. 78 Prozent der Hunde stupsten ihren Besitzer bei dem vermeintlichen Hund an, 42 Prozent reagierten auf einen gestreichelten Kürbiskopf. Auf das Kinderbuch reagierten 22 Prozent. Knapp ein Drittel der Vierbeiner versuchte, sich zwischen den Besitzer und den ausgestopften Artgenossen zu drängen, ein Viertel schnappte zudem nach ihm – beim Kürbiskopf tat dies nur einer.

Offenbar hätten die Hunde das ausgestopfte Tier als vollwertigen Artgenossen angesehen, schreiben die Forscherinnen. Das brachte sie zu der Erkenntnis, dass das Eifersuchtsgefühl tiefer verwurzelt sei, als bisher angenommen. „Viele Menschen glauben, dass Eifersucht eine menschliches, soziales Konstrukt ist. Unsere Ergebnisse zeigen dagegen, dass auch Tiere darunter leiden, wenn ein Rivale die Aufmerksamkeit eines geliebten Partners gefangen nimmt“, urteilten die Forscherinnen.

Aus eigenem Erleben ist die Eifersucht aber nicht nur auf Menschen gerichtet, sondern auch auf andere Hunde. So macht Bijou regelmäßig einen Riesen-Aufstand, wenn Emile mit einem anderen Hund spielt. Dann wirft sie sich dazwischen oder rennt laut bellend hinter Emile und dem vermeintlichen Konkurrenten her. Das geschah zuletzt am Wochenende, als es Besuch von einem Nachbarhund gab.

Emile und Bijou live sowie mehr zum Thema Hund gibt es heute Abend im Bürgerzentrum Deutz (Tempelstr. 41-43) beim Literarischen Themen-Lesungs-Abend Hund im Rahmen der Düxer ¼ Kultur, ab 19.30 Uhr. Vorgestellt werden mein Hunde-Stadtführer „Fred & Otto unterwegs in Köln“ und der Krimi Wolfsbiss von Markus Bennemann.

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